Nicht falsch verstehen. Ich finde den Überfall auf die Ukraine verbrecherisch und auch aus russischer Sicht völlig überzogen.
Doch wie der Westen reagiert, finde ich sehr unklug.
Als Oligarch würde ich vielleicht folgende Überlegung anstellen:
„Putin war mir immer egal. Die Ukraine ist ein umbedeutendes Land, in dem ich keine Interessen habe. Mich interessiert in erster Linie mein eigenes Wohl.
Meine Immobilien in England, die Yacht in Frankreich, das Konto in USA wurden beschlagnahmt. Kriege ich auch nicht wieder, da ich für den Westen ein Kriegsverbrecher bin. Das Geld wird für den Wiederaufbau in der Ukraine verwendet. Ich will auch keine Werte mehr im Westen haben, weil ich den Regimes nicht traue. Wer einmal beschlagnahmt, macht es immer wieder.
Die nächste Yacht in Singapur, die Villa in Dubai, das Konto in China. Ich bin noch lernfähig.
Wenn Putin fällt und eine pro westliche Regierung in den Kreml kommt, sehen wir und in Den Haag vor dem internationalen Strafgerichtshof wieder. Was kriege ich 10 Jahre? 25 Jahre? Das ist so westliche Tradition. Nach einem regime change, gibt es Strafprozesse. Da gibt es seit 1945 keine Ausnahme.
Wenn Putin fällt, falle auch ich.“
Es ist schon zu weit eskaliert worden. Die Oligarchen auf westliche Seite zu ziehen, die Chance wurde verpasst.
Mit der Beschlagnahme des Vermögens wurden sie zu Kriegsverbrechern. Egal von individueller Schuld. Es müssen Prozesse folgen, weil sonst die Beschlagnahmung nicht zu rechtfertigen ist.
Ich denke Putin hat mehr Unterstützung den je. Auch von denen, die ihn nie mochten.
Erst war dem Westen alles egal. 2001 der Wunsch Russland zur Nato beizutreten. Seit 2008 derselbe Wunsch der Ukraine. Die russischen Sicherheitsinteressen wurden nicht ernst genommen. Dann hielt man alles für Säbelrasseln. Und nun blinder Aktionismus. Was könnte man noch schlechter machen?
Es ist der Nachteil von Demokratie, dass Dilettanten an die Macht kommen und wenn sie ihr Handwerk beherrschen, wieder abtreten.