Es ist in der Tat bemerkenswert, dass in unserer Gesellschaft zwei unterschiedliche Modelle zur Handhabung von Zahlungen so selbstverständlich nebeneinander existieren. Auf der einen Seite steht die Praxis, dass Angestellte in der Regel zunächst einen Monat arbeiten müssen, bevor sie ihren Lohn erhalten. Auf der anderen Seite wird von Mietern erwartet, dass sie ihre Miete im Voraus entrichten.
Diese Diskrepanz wirft interessante Fragen auf, insbesondere im Hinblick auf Gerechtigkeit und Vertrauen. Warum muss der Arbeitnehmer, der seine Arbeitsleistung bereits erbracht hat, auf sein verdientes Geld warten, während der Mieter im Vorhinein für eine Dienstleistung oder Ware zahlen muss, die er erst in Zukunft nutzen wird?
Letztlich spiegeln diese beiden Zahlungsmodalitäten die asymmetrische Machtverteilung zwischen den Vertragsparteien wider. Derjenige, der die Ware oder Dienstleistung anbietet (sei es der Arbeitgeber oder der Vermieter), ist in der Position, die Bedingungen zu diktieren, während der Arbeitnehmer oder Mieter diese Bedingungen akzeptieren muss. Was als frech empfunden wird, hängt also maßgeblich davon ab, welche Seite man in dieser Machtbalance einnimmt.