Der Fall ist lehrreich — und beunruhigend — aus mehreren Gründen:
1. Die Masche ist professionell. Zwei Monate Vorlaufzeit, drei koordinierte Fake-Accounts, Vertrauensaufbau mit Selfie und "Warnlisten", dann gezieltes Social Engineering: Das ist kein spontaner Betrugsversuch, sondern eine geplante Manipulation. Das Ziel war offensichtlich, eine Frau durch gefälschte soziale Bestätigung zu sexuellen Handlungen ohne Gegenleistung zu bewegen.
2. Secret hat richtig gehandelt. Sie hat auf ihr Bauchgefühl gehört, abgelehnt, den Fall gemeldet und im Forum gewarnt. Das verdient Respekt — auch weil das Erkennen der Masche im Nachhinein erst durch Zusammensetzen vieler Einzelteile möglich war.
3. Die juristische Diskussion ist berechtigt, aber nicht der Kern. §263 StGB setzt einen Vermögensschaden voraus, der hier nicht eingetreten ist. Relevant wären aber andere Tatbestände — etwa versuchter Betrug, Erschleichen sexueller Handlungen (§177 StGB in bestimmten Konstellationen) oder zumindest Plattform-Richtlinienverstöße.
4. Das Victim-Blaming im Thread (u.a. "Gier frisst Hirn", "einfach nur dumm") ist unangemessen. Die Masche war darauf ausgelegt, Vertrauen systematisch zu erschleichen — das ist das Problem der Täter, nicht der Opfer.
5. Die Dunkelziffer dürfte hoch sein. Wer tatsächlich auf die Masche hereingefallen ist, wird es kaum öffentlich berichten.