Nach den vielen Diskussionen hier über Kontraste, Energie und Erwartungshaltungen, hier eine kleine Anekdote. Gestern hatte ich ein Date, das mir wieder einmal deutlich gezeigt hat, wo die feine Grenze zwischen Lebendigkeit und Überforderung verläuft...
Zu viel des Guten... wenn Leidenschaft anstrengend wird.
Ich mag Frauen mit starkem Charakter, mit Power, mit Leidenschaft… aber das war mir dann doch zu viel des Guten.
Erstes Date mit einer hübschen Latina, die in einer Bar arbeitet. Angeblich sucht sie einen SD und hatte bereits zwei SDs in der Vergangenheit. Mittlerweile traue ich solchen Aussagen nicht mehr so richtig. Denn das habe ich schon öfters von anderen Frauen gehört oder gelesen, und schlussendlich hat sich herausgestellt, dass sie tatsächlich keine Ahnung von Sugardating haben.
Wir trafen uns an ihrem Arbeitsplatz. Sie schrieb, dies wäre kein Problem, denn sie könne sich auch während der Arbeit ein bisschen Zeit freinehmen. Die Bar war nachmittags ziemlich leer. Ihr Chef war da, eine Kollegin von ihr, und kein Kunde weit und breit.
Sie begrüsste mich mit einem grossen Lächeln. Man sah ihr ihre Begeisterung schon an. Wir setzten uns an einen Tisch, etwas weiter entfernt. Ich bestellte uns zwei Gläser Champagner. Witzig war, dass ihre Kollegin mich mehrmals anlächelte, während wir uns unterhielten. Irgendwann habe ich ihrer Kollegin auch etwas zu trinken spendiert. Bin ja nicht knauserig. 😂
Sie erzählte mir, sie sei erst vor Kurzem hergezogen und habe früher u. a. in Italien und in der Schweiz gearbeitet. Sie habe eine Ausbildung in der Hotellerie abgeschlossen. Aber in Italien wären die Löhne eine Katastrophe. In der Schweiz hingegen konnte sie locker bis zu 2k pro Woche verdienen (mit dem Trinkgeld der Kunden). In der Schweiz habe sie auch einen SD gehabt, den sie ab und zu getroffen hab. Witzig fand ich ihre Erzählung, wie sie ihn einmal besucht und ihm unterm Bürotisch einen geblasen habe, während er in einem Videomeeting war.
Faszinierend fand ich allerdings, dass sie sich selbst mehrere Fremdsprachen beigebracht hat, ohne jemals einen Sprachkurs besucht zu haben. Da sie Musik liebt, ging sie jeden Tag in ein Cybercafé und hat dort die Texte verschiedener Songs ausgedruckt und mit nach Hause genommen. Und so hat sie nach und nach Englisch, Französisch und Deutsch gelernt. Sie spricht zwar nicht fliessend, aber dennoch versteht man sie sehr gut.
Während wir etwas tranken und uns unterhielten, habe ich gemerkt, wie sehr sie körperlich „sprach“: Sie lehnte sich immer mehr zu mir hin, nahm meine Hand, legte ihre Hand auf mein Bein oder ihren Kopf, während sie lachte, kurz auf meine Schulter.
Irgendwann wurde mir „warm“, muss ich sagen. Irgendwie bekam sie es hin, mich zu erregen. Und so fragte ich sie, ob wir nicht woanders hingehen könnten. Und da bot sie etwas an, was ich gar nicht erwartet hatte. Sie sagte, wir könnten nach hinten gehen, dorthin, wo das Barpersonal seine Pausen macht. Da wären wir alleine. Ich stellte mir bildlich vor, wie das wäre, wenn ihr Chef oder ihre Kollegin dann reinkäme… 😂
Wir unterhielten uns dort im „Pausenraum“ weiter. Die Stimmung war echt gut. Und dann wurde es unerwartet sehr, sehr heiss … Wir hatten beide Lust auf mehr als nur Reden. Sie sagte aber, wir dürften uns nicht ausziehen, denn es könnte ja jemand reinkommen und uns sehen. Wir hatten also Sex halb angezogen. 😂 Sie war so erregt (noch viel mehr als ich anscheinend), dass sie nach ein paar Minuten einen Orgasmus hatte und danach eine Pause brauchte. Ich war zwar erregt, aber die Situation, dass jederzeit jemand reinkommen könnte, war schon etwas komisch.
Irgendwann drehte sich mir der Kopf. Zu viel Champagner. Zu viel Begeisterung ihrerseits. Ich mag zwar Südländerinnen, auch Latinas mag ich sehr. Aber ich fragte mich, ob sie nicht zu viel Energie für mich hat.
Sie wollte, dass wir uns abends, wenn sie Feierabend hat, noch einmal treffen. Aber ich war ehrlich gesagt schon total erschöpft von diesem intensiven ersten Treffen, das total unerwartet verlaufen war.
Die Anziehung scheint stark gewesen zu sein und wir haben uns körperlich gut verstanden. Aber begeistert hat mich viel weniger der spontane Sex mit ihr als ihre Geschichte mit dem Cybercafé. Dass sie Liedtexte ausgedruckt, übersetzt und dadurch selbstständig mehrere Sprachen gelernt hat. Ich finde, dahinter stecken Eigeninitiative, Neugier, Ausdauer und eine gewisse praktische Intelligenz. Sie hat sich einen eigenen Weg gesucht, etwas zu lernen, das sie für ihr Leben gebrauchen kann.
Und dennoch…
Ich schätze die Lebendigkeit jüngerer Frauen sehr. Gerade bei F. zum Beispiel fasziniert mich immer wieder ihre jugendliche Energie. Ich mag intensive Erlebnisse. Aber das bedeutet nicht, dass ich dauerhaft mit einem „Energiebündel“ zusammen sein möchte.
Bei ihr war mir die Intensität einfach zu gross.
Sie fand mich attraktiv, interessant, sympathisch und offenbar auch sexuell anziehend (sonst hätten wir keinen spontanen Sex im Pausenraum gehabt), wollte mich sofort wiedersehen, aber ich denke, sie hat vor allem auf ihren ersten Eindruck reagiert und auf das Bild, das sie sich von mir gemacht hat. Auf das, was ich in ihr ausgelöst habe, und weniger darauf, wie es mir selbst dabei ging.
Sie hat nicht einmal gemerkt, dass ich irgendwann erschöpft war. Sie war regelrecht euphorisch.
Ich mag leidenschaftliche Frauen, ungewöhnliche Persönlichkeiten, Spontaneität und dieses Gefühl, dass plötzlich etwas Aufregendes passiert. Aber bei ihr zeigte sich gestern die Grenze dieses Bedürfnisses.
Ich möchte nicht ständig von einer Frau bewundert werden. Ich möchte auch einmal still sein dürfen. Ich möchte nicht, dass eine Frau nur begeistert von mir ist. Ich möchte auch, dass sie bemerkt, wenn ich müde bin, nachdenklich bin oder einen ruhigeren Moment brauche. Und ich will mich nicht die ganze Zeit auf ihre Energie einstellen müssen.
Aus einem anfänglich schönen ersten Date wurde so allmählich eine Anstrengung.
Und als ich endlich wieder allein im Auto sass, war ich ehrlich gesagt froh, einfach nur meine Ruhe zu haben.
Und das Verrückte daran? Heute Abend treffe ich F. wieder. Wir gehen zusammen auf ein Rap-Konzert, und ich freue mich schon darauf. Vielleicht klingt das jetzt widersprüchlich. 😂 Naja, ein bisschen Selbstironie muss auch sein.
Kann mir gerade den nächsten Kommentar vorstellen: "Du beschwerst dich über zu viel Energie bei der Latina von gestern und gehst am nächsten Abend mit F. auf ein Rap-Konzert? Dir ist wirklich nicht mehr zu helfen!" 😂