Hast du das Experiment eigentlich in der letzten Woche noch fortgesetzt?
Und würdest du sagen (seitdem es hier zu diesem Regen Austausch kam und du unter anderem einige Geschichten von mir gehört hast) erscheinen einige Profile mittlerweile in einem anderen Licht, etwa durch Formulierungen die auf den zweiten Blick doch etwas seltsam wirken ?
Ich finde so ein Selbstexperiment jedenfalls Sinnvoll. Einfach damit man weiß wie es auf der anderen Seite ist und einfach mehr Verständnis für den Gegenüber haben kann ^ ^
(als Frau hatte ich qausi etwas ähnliches gemacht, als ich bumble bff ausprobiert habe. Deswegen erspare ich es mir eins anzulegen. Aber Oh gott oh gott ist es schwer mit einigen Damen zu schreiben. Da muss man ja wirklich jedes bisschen aus der Nase ziehen und es kommen selten Rückfragen, wenn sie dann mal nach 3 Tagen antworten. Einfach nur anstrengend, aber dadurch schätzt man es umso mehr wenn es mal mit jemanden klickt
)
Ja, ich habe das Experiment tatsächlich noch etwas weitergeführt. Und meine Wahrnehmung hat sich dabei auch verändert.
Am Anfang war mein Eindruck: erstaunlich viele schlechte oder lieblos gemachte Männerprofile, wenig vernünftige Fotos und vor allem sehr viele Texte, in denen ausführlich beschrieben wird, was der Mann von einer Frau erwartet, aber erstaunlich wenig über ihn selbst.
Durch die Diskussion hier und insbesondere durch einige deiner Beispiele schaue ich inzwischen tatsächlich etwas anders auf manche Formulierungen.
Nicht in dem Sinne, dass ich jetzt hinter jedem Profil einen potentiell gefährlichen Mann vermute. Das wäre genauso falsch.
Aber mir ist stärker bewusst geworden, dass eine Formulierung, die ein Mann vielleicht für „direkt“, „dominant“ oder sogar besonders selbstbewusst hält, bei einer jungen Frau aufgrund ihrer völlig anderen Risikoperspektive ganz anders ankommen kann.
Dein Beispiel mit dem festen Café fand ich dafür besonders eindrücklich. Für mich als Mann wäre die Frage „festes Café oder einfach spontan irgendwo hingehen?“ zunächst eine völlig banale organisatorische Kleinigkeit. Aus deiner Perspektive steckt dahinter aber die Frage: Bin ich an einem bekannten öffentlichen Ort? Wissen andere, wo ich bin? Kann ich jederzeit problemlos gehen?
Und dass jemand auf genau dieses Sicherheitsbedürfnis anschließend mit Entführungsphantasien und dem Wegwerfen deines Handys reagiert, fand ich ehrlich gesagt ziemlich verstörend. DAS wollte ich bei meinem Experiment eigentlich auch nicht unbedingt lernen. 🙈
Insofern: Ja, das Experiment hat seinen Zweck für mich sogar besser erfüllt, als ich ursprünglich gedacht hatte. Nicht weil ich jetzt glaube, „die Frauenperspektive“ verstanden zu haben. Dafür sind Menschen viel zu unterschiedlich. Aber bestimmte Dinge nehme ich heute anders wahr als vorher.
Genau darum ging es mir eigentlich bei dem Thread: nicht darum festzustellen, welches Geschlecht es schwerer hat, sondern einmal den eigenen gewohnten Blickwinkel zu verlassen.