Ich kann von einer aktuellen Erfahrung erzählen, die gut zu dieser Diskussion passt.
Manchmal ist man geneigt, beim ersten Anzeichen von Unstimmigkeiten den Stecker zu ziehen. Aber manchmal lohnt sich der "Umweg" über die eigene Souveränität.
Ich hatte ein eigentlich schönes erstes Kennenlernen mit einer jungen Dame. Kurz darauf stolperte ich jedoch über ein zweites Profil von ihr auf MSD - anderer Name, aber exakt der gleiche Profiltext. Es war also eindeutig dieselbe Person. Mein erster Gedanke war: Klassischer Fall von "Profi" oder Spielchen. Ich habe das Zweitprofil anonym angetestet: Ich habe sie freigeschaltet, da sie mich darum gebeten hatte, ihr aber nichts geschrieben. Sie schrieb mich jedoch direkt nach der Freischaltung an.
Da wir ja bereits Nummern getauscht hatten und auf WA schrieben, sprach ich es dort offen an: "Das ist komisch... Ich habe gerade auf msd eine "SoUndSo" gesehen, die mir ein Kuss geschickt hat und um Freischaltung gebeten hat. Als ich ihr Profil las, stand dort der gleiche Text wie bei dir: Studentin sucht..." (ich schreibe hier gewollt und bewusst nicht den ganzen Profiltext)
Ihre Antwort war ausweichend: "Ich weiss nicht. Ich habe deine E-Mail nicht. Bin gerade auf der Uni, die Kurse diese Woche sind intensiv. Keine Lust. Habe eher Lust auf heiße Schokolade und eine warme Decke. Ich schaue später mal auf der Seite."
Später kamen dann Nachrichten über das Wetter (Schnee, Chaos auf den Straßen), und dass sie viel lernen muss. Auf das Thema "zweites Profil" kam sie nicht mehr zurück - und ich habe auch nicht nachgehackt.
Viele hätten sie an dem Punkt wohl blockiert (ich vielleicht auch).
Stattdessen habe ich mich für die "Führung durch Qualität" entschieden. Ich habe ihr für unser nächstes Date ein recht exklusives Event vorgeschlagen, das deutlich über einen schnellen Kaffee oder Restaurantbesuch hinausgeht. Ich wollte sehen: Investiert sie echte Zeit oder sucht sie nur den schnellen, unverbindlichen Profit?
Anfangs eierte sie rum. Die typischen Ausreden: Wetter, Zeitplan, vielleicht lieber doch nicht so lange. Ich bin dann sehr deutlich geworden und habe einen fixen logistischen Rahmen gesetzt. Ankunft, Ablauf, Ende - alles durchgeplant, da ich abends selbst noch einen festen Kulturtermin habe.
Dabei war mir wichtig, das Ganze nicht wie ein trockenes "Colloque" wirken zu lassen. Ich habe ihr das Event schmackhaft gemacht, Atmosphäre geschaffen und ihr Bilder der Location geschickt, um sie emotional abzuholen.
Ich habe ihr signalisiert: Der Rahmen steht, die Qualität ist hoch, und es wird ein entspanntes, schönes Event aber du musst dich entscheiden.
Interessanterweise hat dieser klare, leichte Druck in Verbindung mit dem attraktiven Angebot den Knoten gelöst. Gestern Abend kam die totale Wende: Keine einsilbigen Texte mehr, sondern mehrere persönliche Sprachnachrichten, eine Entschuldigung für die Verzögerung und - was mich besonders freute - die Ansage, dass sie sich für mich richtig schick machen wird. Sie wirkte plötzlich extrem motiviert und sagte, sie würde sich sehr freuen.
Was ich aus dieser Erfahrung mitnehme:
Oft interpretieren wir Unsicherheit oder schlechtes Zeitmanagement sofort als böse Absicht oder Scam. Aber bei einigen SBs (besonders wenn sie ihr Privatleben strikt abschirmen müssen - wie es bei ihr der Fall ist) brauchen einfach einen SD, der eine Richtung vorgibt. Wenn man den Standard hoch ansetzt und nicht bei jedem Stolperstein einknickt, trennt sich die Spreu vom Weizen manchmal von ganz alleine.